Corona-Eltern in der Krise sind kein politisches Versagen, sondern Kalkül
Ein Gastbeitrag von  Dr. Franziska Briest, Wissenschaftlerin an der Charité, Kommunalpolitikerin, Autorin und Mutter

Politisch tolerierter Ausnahmezustand

Ausnahmezustand. Besser kann man die letzten dreizehn Wochen nicht beschreiben.

Dreizehn Wochen, in denen wir anfänglich jeden Tag auf Infektionszahlen geachtet, uns über Hamsterkäufe beschwert und an das Tragen von Masken gewöhnt haben.

Viele von uns dachten zum ersten Mal darüber nach, welche Berufsgruppen unser tägliches Leben tatsächlich am Laufen halten. Wir fuhren unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum zurück, lernten fünf verschiedene Videokonferenztools zu bedienen und verabschiedeten uns wehmütig von geplanten Urlauben, Ausflügen, Sportveranstaltungen und Kulturveranstaltungen.

Wir blieben zu Hause, erklärten schriftliche Multiplikation, bauten Legotürme, schnitten Haare, kochten, putzen, trösteten, schlichteten Streit und ersetzten Kindergeburtstagspartygäste zwischen Videokonferenzen und Abgabefristen.

Letztlich gab es eine große Unbekannte – und zunächst ergab ein schneller Shutdown auf allen Ebenen auch tatsächlich Sinn.

In den Wochen der vollständigen Isolation und mit Beginn der Öffnungen dämmerte es dann aber Vielen, dass nicht nur die Regeln zum Kontaktverbot einen zwangsläufigen Rückzug auf die traditionelle Kernfamilie erzwang und damit Familienkonstellationen und Rollenbilder reaktivierte, die die Realität vieler moderner Familien völlig ignorierte. Auch die Prioritäten der Lockerungen spiegelten eher die wirtschaftspolitische Gewichtung der dahinter stehenden Stakeholder wider, als dass sie irgendeiner Form von gesundheits-, sozial- oder bildungspolitischer Evidenz zu folgen schienen.

Mehr als ein Bauchgefühl

Schauen wir uns einmal ein paar Zahlen an: laut einer Studie gaben 54 Prozent der befragten Frauen, aber nur 12 Prozent der Männer an, den überwiegenden Teil der anfallenden Kinderbetreuung während der Pandemie zu übernehmen[1].Gleichzeitig sahen die Kontaktbeschränkungen sechs Wochen lang vor, dass sich maximal zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen durften. Damit wurden für betreuungspflichtige Kinder und die überwiegend weiblichen Betreuungspersonen jegliche Sozialkontakte außerhalb der Familie über Wochen unterbunden.

Familienleben in Familienkonstellationen die nicht auf einem Zusammenleben zweier erwachsener Personen beruhen, z. B. bei Patchwork- und Scheidungsfamilien[2], war damit unmöglich geworden. Aber auch wichtige soziale Interaktion, und damit Unterstützungsleistungen wie die effektive Konsultation von Dritten, z. B. in Fällen häuslicher Gewalt, wurde zwangsläufig auf null herunter gefahren, bei Wegfall aller professionellen Präsenzangebote von Beratungsstellen.

Gleichzeitig sind Frauen auch beruflich überproportional von den Folgen der Pandemie betroffen. Sie sind im Zuge der Krise häufiger, vor allem im Einzelhandel, Gastgewerbe und informellen Sektor, von Kündigung und Arbeitszeitreduktion betroffen und erhielten deutlich seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes[1]. Auch die zusätzlich anfallende Sorgearbeit führt vor allem bei Frauen zu Arbeitszeitreduktionen: Gut ein Viertel aller befragten Frauen mit Kindern bis zu 14 Jahren, aber nur ein Sechstel der befragten Männer mussten ihre Arbeitszeit wegen der Betreuungssituation reduzieren[1], Mütter werden also nicht nur überproportional zur Aufgabe ihrer Sozialkontakte, sondern auch in eine verstärkte finanzielle Abhängigkeit getrieben. Man möchte glatt mit Frauengold auf die Renaissance der Fünfzigerjahremütter anstoßen!

Besonders prekär ist die Situation bei Alleinerziehenden: hier sind über 80 Prozent weiblich[3] – ein Wegfall von Betreuung, Unterstützung durch Dritte und Einkommensverluste treffen somit überproportional Frauen und Kinder. Dazu kommen für die im Homeoffice tätigen Eltern, die Kinder betreuen müssen, der Wegfall wichtiger Projekte und die damit einhergehenden verpassten Karrierechancen – auch hier sind überproportional Frauen von der ungleichen Aufteilung betroffen. Und selbst bei paritätischer Arbeitsteilung mit dem Partner oder der Partnerin: beruflich stehen Mütter in Konkurrenz zu Kinderlosen und zu Männern in Familien mit klassischer Rollenverteilung.

Die Öffnung von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen hätte unter Aspekten der Gleichberechtigung oberste Priorität sein müssen!

Wenn man sich nun im Gegenzug zu den Belastungen die Reihenfolge der Entlastungen anschaut, klaffen grundlegende Notwendigkeiten und die politische Schwerpunktsetzung von Bund und Ländern unter vorgeschobener Berufung auf das Vorsorgeprinzip auseinander:

Am 20. April öffnet der erste Teil des Einzelhandels wieder, erst danach öffnen Spielplätze, Museen, Zoos und Kirchen, am 4. Mai beginnen die ersten Bundesländer die Kontaktbeschränkungen auf fünf Personen aus zwei Haushalten auszuweiten, die Friseure öffnen wieder. Während die Bundesliga der Männer (nicht die der Frauen!) am 16. Mai und passend dazu die Biergärten in Bayern am 18. Mai öffnen, gefolgt von den Innenbereichen der Gastronomie am 25. Mai[4][5], soll die Notbetreuung in den Bayrischen Kitas erst ab 15. Juni ausgeweitet[6]und ein Präsenzunterricht für alle Klassenstufen an den Schulen wieder aufgenommen werden[7].

Fehlende Evidenz

Dabei fehlt dem strengen Festhalten an Schul- und Kita-Schließungen zumindest bereits seit einigen Wochen die wissenschaftliche Evidenz, vor allem vor dem Hintergrund, dass allen übrigen Lockerungsmaßnahmen die Beweislast nicht auferlegt wird. Mit dem Beweisen ist das nämlich so eine Sache – in der Regel ist es deutlich leichter, Existenz von etwas nachzuweisen (eben zum Beispiel, dass Kinder Virenschleudern sind), als das Nicht-Vorhandensein.

Aus ebenjenem Grund liegt die juristische Beweislast in der Regel auch nicht bei den Angeklagten und sind klinische Studien selbst unter kontrollierten Bedingungen aufwendig und anspruchsvoll. Ich vergleiche das gerne mit dem Nachweis, dass es das Ungeheuer von Loch Ness nicht gibt: zum Beweis des Vorhandenseins reichte das Einfangen, vielleicht DNA-Proben oder ein überzeugendes Foto, für den Beweis des Gegenteils müsste man den See leerpumpen und selbst dann beweist man den Fakt gerade einmal für die Gegenwart.

Ein ähnliches Problem zeigt sich im Übrigen in der kontrovers diskutierten Studie von Prof. Christian Drosten und seinen Kolleginnen und Kollegen[8]: das Team konnte nicht nachweisen, dass sich die Viruslast bei Kindern von der Erwachsener signifikant unterscheidet und leitet daraus ab, dass Kinder ein ähnliches Infektionsrisiko wie Erwachsene haben könnten. Da aber die Aussagekraft dieser Berechnungen von der Wahl der statistischen Methode abhängt (manche Methoden sind strenger und verwerfen eine Hypothese eher als andere) bedeutet dies nicht, dass damit bewiesen wurde, die Viruslast sei nicht unterschiedlich.

Wissenschaftlich gesehen ist das Versagen eines Tests nicht gleichzusetzen mit dem Beweis des Gegenteils. Bloß, weil etwas nicht als ungleich bewiesen werden kann, ist es noch lange nicht gleich, solange nicht die Gleichheit bewiesen wurde. Es gibt also auch keinen Grund anzunehmen, dass Kinder Virenschleudern sind, weil das Gegenteil bisher (aufgrund von geringen Fallzahlen und schlechter Vergleichbarkeit der verfügbaren Daten) noch nicht belegt werden konnte. Eine Aussage, die man über Erwachsene übrigens relativ unproblematisch treffen könnte und trotzdem versucht man, zu differenzieren. Und ob Abstände so viel weniger von Kindern eingehalten werden als von Erwachsenen, daran lassen jüngste Bilder von Bundesligaspielen, Demonstrationen und Coronaparties tatsächlich zweifeln.

Um eines klarzustellen: die Schließungen der Kinderbetreuungseinrichtung und Schulen war ein richtiger Schritt zu einem Zeitpunkt, an dem Information zu Übertragungswegen fehlte und die Ausbreitung in Deutschland eine Geschwindigkeit erreicht hatte, bei der Containment, also Maßnahmen, die der Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten dienen, nicht mehr leistbar war. Dass der Effekt von Schließungen letztlich vielleicht vor allem auf einem Verbannen von circa elf Millionen Eltern ins Homehoffice beruht und dass bekannte infektionsbiologische Mechanismen, z.B. aus Grippeepidemien, nicht auf Sars-Cov-2 übertragbar sein könnten, wäre zumindest aber bereits Anfang April aufgrund der vorliegenden Literatur diskussionswürdig gewesen[9].

Seit Mitte April häufen sich die Daten aus aller Welt, die dafür sprechen, dass junge Kinder sich zwar mit dem Virus infizieren können, aber es möglichweise doch nicht in einem Maße weiter geben wie Erwachsene und Schulschließungen bei älteren Kindern womöglich sogar kontraproduktiv sein könnten, weil sie dann mehr unkontrollierte Kontakte zu anderen Menschen haben[10][11][12][13][14][15]16].Vermutlich werden wir erst in einigen Monaten genaue Schlüsse ziehen können und ganz sicher wird es Infektionsfälle geben, die mit Schulbesuchen in Verbindung stehen.

Solche Fälle wird es in jedem Bereich des täglichen Lebens geben und das Ziel muss immer sein, die Lage kontrollierbar zu halten. Und dennoch ist zynisch zu behaupten, dass ausgerechnet die Wiederaufnahme des Bildungsbetriebes, der irgendwie zwischen Tattoostudios und Bordellen eingetaktet wird, ein riskantes Experiment sei, angesichts der vielen beruflichen, psychologischen und bildungspolitischen Unbekannten die sich für Kinder und ihre Familien aus dem langen Zögern ergeben haben.

Verheerende Kommunikation

Die Prioritätensetzung bei Schulen und Kitas (first to close, last to open) übermittelt nun zwei verheerende Botschaften. Erstens: Eltern sind Berufstätige zweiter Klasse. Wenn die Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität ein zentraler Punkt der Coronamaßnahmen war – wieso versetzt man dann mehr als elf Millionen Menschen in den Standby-Modus, während die Wirtschaft hochgefahren wird? Übersetzt auf die Zahlen, wer derzeit die Kinderbetreuung abfängt, bedeutet das zugespitzt: Mütter sind Berufstätige zweiter Klasse.

Und diese Aussage ist gar nicht so abwegig angesichts einer gesellschaftlichen Realität, in der Frauen immer noch zu großen Teilen Teilzeit arbeiten, sobald die Familie gegründet ist und kinderlose Frauen mit Anfang dreißig ungern eingestellt werden. Hier wurde lediglich ein Narrativ, gegen das Feministinnen und Feministen seit Jahrzehnten kämpfen, unreflektiert in politische Entscheidungen eingegossen.

Die zweite Botschaft ist: Männer geben weiterhin den Ton an. Sie dominieren die beratenden und entscheidenden Gremien und sie profitieren vom Ergebnis. Wie kann eine andere Perspektive, als die Perspektive älterer Männer in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, wenn ältere Männer älteren Männern zu Entscheidungen raten, die älteren Männern nutzen? Sowohl die öffentliche wissenschaftliche Debatte, als auch die politischen Beratungen (sei es in den männerdominierten Gremien der Leopoldina oder des Coronakabinetts[17], in Talkshows, Podcasts, Zeitungsartikeln oder RKI-Pressekonferenzen) werden von Männern determiniert.

Und wenn dann der Fokus eben auf BMW, Bundesliga und Biergarten liegt, mag das zunächst wie ein Klischee klingen. Einem hochangesehenen Professor wird niemand hedonistische Beweggründe unterstellen. Letztlich suchen sich aber politische Akteure aus der Fülle der nicht abgeschlossenen wissenschaftlichen Debatten die passenden Argumente raus und multiplizieren sie. Diese sind dann nur schwer wieder aus der Welt zu bekommen, wie man am widerlegten Framing „Coronavirusschleuder Kind“ unschwer nachvollziehen kann.  Und am Ende bedienen sie damit eine Klientel, die sehr wohl gut damit leben kann, wenn junge Frauen ihre Karrieren zurückstellen müssen, solange nur wieder die Bundesliga im Fernsehen läuft.

Wieso aber das Ganze?

Wenn wir zusammen fassen, stellen wir fest, dass die Verlierer all dieser Entscheidungen Familien sind, die vom althergebrachten Bild abweichen, Frauen, die wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen und die Kinder, die mit diesem modernen Familienbild aufwachsen.

Dem gegenüber stehen mit den Gremien konservativer Institutionen und einer konservativen Bundesregierung Vertreter klassische reaktionäre Kräfte, die Privilegien zu sichern haben. Besonders perfide wird das Ganze unter Berücksichtigung der Tatsache, dass alle Corona-Maßnahmen vor allem die Risikogruppen schützen sollen, unter denen sich allein aus demografischen Gründen ein hoher Anteil an Menschen mit konservativem Wertekatalog findet.

Daher kann es kein Versehen sein, dass ebenjene, die für gesellschaftliche Veränderungen stehen, praktisch im Homeoffice vergessen wurden.

Daher ist es paternalistisch, wenn uns von älteren Generationen gesagt wird, wir sollen nicht jammern.

Daher steckt eine politische Agenda dahinter, wenn die Bundesregierung mit Wirtschaftsverbänden verhandelt, aber die Verantwortung für „Kinder und Gedöns” an die Länder und Kommunen weiterreicht.

Daher müssen wir diese Narrative sichtbar machen und umwandeln!

Wenn wir uns über die Unmöglichkeit der Vereinbarkeit von Homeoffice und Kinderbetreuung äußern, ist das kein Jammern, sondern das Aufzeigen einer Ausnahmesituation, die niemand nur deshalb runterspielen kann, weil er in den 1950ern auch mal ein Kind ohne Kita groß gezogen hat. Und auf deren Behebung oder Kompensation wir bestehen.

Wenn wir mal wieder an die Gläserne Decke stoßen, die für Mütter noch tiefer hängt als für andere Frauen, müssen wir diese anprangern, anstatt uns dafür zu entschuldigen, dass wir gerade neben unserem Jobs noch die Qualifikation zu Erzieherinnen, Lehrerinnen, Köchinnen und vielem mehr erwerben.

Und wir müssen politische Verantwortung dafür übernehmen, dass Frauen und Kinder in dieser Gesellschaft sichtbarer werden. Das tun wir am besten indem wir Frauen und Kindern empowern und beteiligen wo es uns möglich ist, anstatt in Konkurrenz miteinander zu treten. Sonst teilen wir weiterhin nur das kleine Stückchen Macht unter uns auf, das andere uns zugestehen.

Foto & Text Copyright bei Dr. Franziska Briest

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1 Bettina Kohlrausch und Aline Zucco, Hans-Böckler-Stiftung, Policy Brief WSI, Nr.40, 05/2020
2 Geschwister, nicht verwandte Elternteile und Bezugspersonen
3  Statistisches Bundesamt (Destatis), Alleinerziehende, Ergebnisse des Mikrozensus 2017, 2018
4.  https://www.mdr.de/nachrichten/politik/corona-chronik-chronologie-coronavirus-100.html
5.  https://www.br.de/radio/bayern1/gaststaetten-bayern-corona-100.html
6. https://www.stmas.bayern.de/coronavirus-info/corona-kindertagesbetreuung.php
7. https://www.km.bayern.de/allgemein/meldung/6964/so-geht-es-an-den-schulen-in-bayern-weiter.html
8. Jones TC, Mühlemann B, et al. An analysis of SARS-CoV-2 viral load by patient age. medRxiv 2020.06.08.20125484; doi: https://doi.org/10.1101/2020.06.08.20125484
9. Viner RM, Russell SJ, Croker H, et al. School closure and management practices during coronavirus outbreaks including COVID-19: a rapid systematic review. Lancet Child Adolesc Health. 2020;4(5):397‐404. doi:10.1016/S2352-4642(20)30095-X
10  Zhu Y, Bloxham CJ, Hulme KD, Sinclair JE, Tong ZWM, Steele LE, et al. Children are unlikely to have been the primary source of household SARS- CoV-2 infections. medRxiv. 2020:2020.03.26.20044826.
11  Danis K, Epaulard O, Bénet T, Gaymard A, Campoy S, Bothelo-Nevers E, et al. Cluster of coronavirus disease 2019 (Covid-19) in the French Alps, 2020. Clinical Infectious Diseases. 2020.
12  Gudbjartsson DF, Helgason A, Jonsson H, Magnusson OT, Melsted P, Norddahl GL, et al. Spread of SARS-CoV-2 in the Icelandic Population. New England Journal of Medicine. 2020.
13 http://ncirs.org.au/covid-19-in-schools
14  National Institute for Public Health and the Environment. Children and COVID- 19. https://www.rivm.nl/en/novel-coronavirus-covid-19/children-and-covid-19 : RIVM 2020.
15  Desmet S, Ekinci E, et al. No SARS-CoV-2 carriage observed in children attending daycare centers during the first weeks of the epidemic in Belgium. medRxiv 2020.05.13.20095190; doi: https://doi.org/10.1101/2020.05.13.20095190
16 https://www.thelocal.no/20200508/closing-schools-may-made-virus-spread-faster-norway-health-agency
17 Drucksache 19/19525, Deutscher Bundestag, 19. Wahlperiode
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Ganzjähriger KITA-Start in NRW – Interview zur Online-Petition
Liebe Julia, du hast dich per Email an mich gewandt. In dieser Email hast du mich in meiner Funktion als Bloggerin um Unterstützung gebeten, dein Anliegen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Ich bin der festen Überzeugung, dass du mit deinem Anliegen nicht alleine da stehst, und hier einen wunden Punkt vieler Familien berührst. Vorzugsweise Müttern, die zurück in ihr Berufsleben möchten. Worum geht es bei deinem Anliegen konkret?

Hallo Nadja, ich möchte die Kommunen in NRW davon überzeugen, ihren Vergabeprozess von Betreuungsplätzen (in der Tagespflege oder Kita) zu ändern. Statt standardmäßig nur im August aufgenommen zu werden, sollen Kinder in Zukunft das ganze Jahr über starten können. Damit sollen die Familien deutlich mehr Flexibilität bei der Entscheidung haben, ab wann eine Fremdbetreuung in Anspruch genommen wird. Das ist meiner Meinung nach besonders bei Familien wichtig, die zeitnah nach Ablauf der Elterngeldmonate wieder arbeiten gehen wollen oder müssen. Aber auch anderen Familien wird damit geholfen, da sie selbst entscheiden können, ab wann ihr Kind für die Fremdbetreuung bereit ist.

Wie kam es dazu, dass du eine Onlinepetition ins Leben gerufen hast? Was möchtest du erreichen?

In meinem vorherigen Wohnort in Hessen und in den dortigen Nachbarkommunen werden die Betreuungsplätze ganzjährig vergeben und wir hatten eine Zusage für eine Kita ab dem 1. Geburtstag meines Sohnes. Als wir dann Mitte 2019 nach NRW gezogen sind, habe ich festgestellt, dass hier die Vergabe standardmäßig nur zum August erfolgt. Das hat mich erst gewundert und dann lange Zeit geärgert. Ganz besonders deshalb, weil es in den meisten anderen Bundesländern sehr viel flexibler als in NRW gehandhabt wird.

Wenn ich mit anderen Eltern über dieses Thema spreche, kommen häufig zwei Reaktionen: Erstens finden sie es auch ärgerlich, dass der Betreuungsstart so unflexibel ist. Zweitens sind die meisten total überrascht zu hören, dass es in anderen Bundesländern anders läuft. Viele haben sich damit abgefunden, dass die Situation nun mal so ist wie sie ist und dass es anscheinend keine andere Möglichkeit gibt.

Daher verfolge ich mit meiner Petition zwei Ziele:

Zum einen möchte ich in NRW eine Diskussion zu dem Thema Betreuungsbeginn starten, um die Bedürfnisse der Eltern in den Fokus zu rücken und um gleichzeitig darüber aufzuklären, welche Alternativen es zum aktuellen Vorgehen gibt. Zum anderen möchte ich mit den gesammelten Unterschriften aufzeigen, wie groß der Bedarf einer Änderung in NRW ist, sodass die Politik, die Kommunen und die Betreuungseinrichtungen zu einem Umdenken bewegt werden.

Was denkst du warum bei uns in NRW die Vergabe der Kindergartenplätze standardmäßig erst im August möglich sind?

Mir wurde oft gesagt, dass es die einzige Möglichkeit sei, da die großen Kinder zum August in die Schule wechseln und somit die Plätze frei werden. Außerdem wird angeführt, dass es an dem allgemeinen Platzmangel liegt, sodass alle Plätze direkt vergeben werden müssen.

Dem widerspricht die Tatsache,

dass diese Rahmenbedingungen in ganz Deutschland exakt gleich sind. Und trotzdem werden die Betreuungsplätze in den meisten Bundesländern deutlich flexibler und familienfreundlicher vergeben.

Daher meine (vielleicht etwas radikale) Antwort auf deine Frage:

Weil es schon immer so war, weil es praktisch für die Planung der Betreuungseinrichtungen ist und weil sich noch kein landesweiter Protest geformt hat. Mir ist bewusst, dass ich mit dieser Meinung bei dem einen oder anderen Leser anecke. Aber ich bin der festen Überzeugung dass man die Vergabepraxis in NRW deutlich verbessern kann, wenn sich alle Beteiligten zusammensetzen und auch bei den anderen Bundesländern nach funktionierenden Alternativsystemen Ausschau halten.

Damit bleibt natürlich das Problem des allgemeinen Platzmangels und der fehlenden Fachkräfte im Betreuungssektor. Trotzdem finde ich, dass man parallel die Situation von vielen Eltern verbessern kann, indem man die vorhandenen Plätze ganzjährig vergibt, statt einen großen Anteil der Familien systematisch zu benachteiligen, einfach weil sie ihre Kinder im „falschen“ Monat geboren haben.

Wie kann man dich und dein Anliegen unterstützen?

Als allererstes natürlich durch das Unterschreiben meiner Petition.

Darüber hinaus wäre es toll, wenn deine Leser anderen von meiner Petition erzählen – zum Beispiel der besten Freundin, den anderen Eltern in der Krabbelgruppe oder auch gerne den Facebook-Freunden durch das Teilen des Links zur Petition.

Außerdem freue ich mich immer über die Meinungen und Informationen von anderen Betroffenen. So habe ich zum Beispiel durch die Rückmeldung von zwei mir bis dahin unbekannten Müttern bei Facebook von zwei Kommunen in NRW erfahren, die bereits jetzt standardmäßig das ganze Jahr über ihre Betreuungsplätze vergeben. Eine Erzieherin hat mir erzählt, wie die Finanzierung bei ihr im Kindergarten läuft und wo sie Handlungsbedarf seitens des Bundeslandes vor einer Änderung der Vergabe sieht.

Solche Nachrichten helfen mir, die aktuelle Situation noch besser zu verstehen und die Diskussion über das Thema mit mehr Hintergrundwissen zu führen. Wer mich unterstützen möchte, der lässt seine Stimme da. Dafür bedanke ich mich jetzt schon mal vorab bei jedem Einzelnen!

Deine Stimme zählt – so gelangst du zur Petition

Du möchtest die Petition mit deiner Stimme unterstützen? Folge hierzu bitte dem Link “Ganzjähriger KITA-Start in NRW – Online-Petition”

Deine

Erste Hilfe am Kind & Baby – Im Interview Michaela Weber
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Lieber Leser, HIER bist du richtig!

Bei meinem heutigen Interview dreht sich alles um das Thema “Erste Hilfe am Kind & Baby”.

Am Ende dieses Interviews wartet auf dich und deinen Geldbeutel bis zum 15.06. noch eine kleines Geschenk.

Erste Hilfe am Kind & Baby – Das Interview

Liebe Michaela, schön, dass ich dich heute im Interview dabei habe. Die Überschrift “Erste Hilfe am Kind & Säugling” ist unser heutiges Thema,  über das wir sprechen werden.
Bevor wir das tun,  stelle dich doch einmal kurz vor.

Michaela Weber von richtig-helfen.com

Erstmal vielen Dank das ich heute bei dir im Interview dabei sein darf. Kurz zu mir und meiner Person: Mein Name ist Michaela Weber und ich bin selbst Mutter eines Sohnes. Mein Sohn ist 2012 auf die Welt gekommen. Vor meiner Zeit als Mutter war ich in München als medizinische Fachangestellte und Fachbereichsleitung im Klinikum rechts der Isar tätig. Meine medizinische Ausbildung, meine Fortbildung zum „Erste Hilfe Ausbilder“ sowie meine eigene Erfahrung als Mutter haben mich dann im Jahr 2016 dazu bewegt, mein Unternehmen „richtig helfen | Erste Hilfe am Kind & Säugling“ zu gründen. Zusätzlich  bin ich auch als Dozentin an der Handwerkskammer für München und Oberbayern tätig. Auch hier vermittle ich medizinische Themen Kinder und Jugendliche.

Michaela, du trägst erheblich dazu bei, dass wir Eltern das passende Werkzeug in Händen gelegt bekommen, um auch im Notfall Erste Hilfe am Kind zu leisten. Kannst du mir dazu mehr erzählen?

In der Regel ist es so, dass die meisten Menschen einen Erste Hilfe Kurs besuchen bevor sie den Führerschein machen. Danach besuchen die wenigsten Personen einen weiteren Kurs. In diesen Führerschein Erste Hilfe Kursen wird nicht auf das Thema Erste Hilfe am Kind eingegangen. Sobald man selbst Mama oder Papa wird, sollte man sich jedoch genau mit diesem Thema auseinandersetzen. Wir beide wissen ja aus eigener Erfahrung, dass Babys oder auch generell Kinder potentielle Gefahren nicht erkennen können und dies sowie andere Situationen schnell dazu führen können, dass ein Kind Hilfe braucht.

In so einem Notfall bleibt dann meist keine Zeit lange nachzudenken – hier hilft nur vorbereitet zu sein und wissen was zu tun ist. Genau dieses nötige Wissen vermitteln wir bei richtig helfen in unseren Erste Hilfe am Kind & Säugling Kursen.

Ich selbst habe, da waren meine Zwillinge gerade wenige Wochen alt, einen Erste Hilfe Kurs bei einem Anbieter besucht. Das war mir sehr wichtig. Allerdings hatte dieser Kurs, anders als erwartet, nicht den Schwerpunkt “Erste Hilfe am Kind und Säugling”. Das war für mich und viele andere Kursteilnehmer natürlich enttäuschend. Daher würde ich gerne wissen, was bei euch z. B. anders ist. Welche Fragen werden behandelt? Was lerne ich? Wie ist euer Kursangebot? Erzähl doch mal etwas.

Ich kann deine Erfahrung sehr gut nachvollziehen. Mir ist es selbst genauso ergangen als ich so einen Kurs bei einem Anbieter besucht habe.

Daher legen wir bei richtig helfen großen Wert darauf, dass wir die Erwartungen der Kursteilnehmer erfüllen und nicht nur ein Standardprogramm abspielen. Natürlich haben wir ein Grundkonzept und grundlegende Inhalte die wir in den Kursen vermitteln. Es ist uns jedoch sehr wichtig, dass trotzdem genügend Platz für individuelle Themen und Fragen der Teilnehmer bleibt. Ebenso Ergänzen wir unseren Kurs natürlich regelmäßig um häufig gefragte Themen. Die meisten Fragen können wir direkt im Kurs klären.

Sollten aber sehr spezielle Fragen offen bleiben, nehmen wir diese gerne mit nach Hause und liefern die Antworten nach. Es kommt auch immer wieder vor, dass sich Kursteilnehmer Monate nach dem eigentlichen Kurs noch bei uns melden und dann noch neue Fragen stellen. Auch diese Fragen beantworten wir dann natürlich gerne

Unsere Kurse sind in drei Varianten verfügbar. Zum einen finden die Kurse in Kinderarztpraxen, bei Hebammen oder auch in Spielgruppen statt. Wir kommen aber auch zu den Eltern nach Hause und geben den Kurs dort in der vertrauten Umgebung. Neben dem theoretischen Teil haben die Eltern bei beiden Varianten auch die Möglichkeit das Erlernte direkt an den bereitgestellten Puppen und mit anderen Hilfsmitteln auszuprobieren. Seit kurzem ist unser Kurs „Erste Hilfe am Kind & Säugling“ auch als Videokurs online verfügbar.

Dieser Videokurs hat den Vorteil, dass man sich nicht nach irgendwelchen Kurszeiten oder Kursorten richten muss. Man kann jederzeit starten und den Kurs auch pausieren. Somit benötigt man keinen Babysitter und kann sich den Kurs auch einfach zusammen mit seinem Partner ansehen.  Wie bereits erwähnt legen wir sehr viel Wert darauf, auch individuelle Fragen einzugehen. Daher gibt es auch bei unserem Videokurs die Möglichkeit individuelle Fragen an uns zu stellen.

In allen Kursen werden folgende Themen behandelt:

  • Überblick Notfallrufnummern inkl. Hausärztlicher Notdienst und Giftnotruf
  • Pseudokrupp
  • Affektanfälle
  • Wundversorgung
  • Zeckenbisse
  • Verschlucken von Fremdkörpern
  • Bewusstlosigkeit
  • (Verdacht auf) Vergiftungen
  • Bienen- und Wespenstiche
  • Fieber & Fieberkrampf

Jeder Teilnehmer erhält unser richtig helfen Kursheft sowie unsere richtig helfen Notfallkarten. Bei unserem Videokurs stehen diese zum Download zur Verfügung. Neben den genannten Themen vermitteln wir auch sehr viel Hintergrundinformationen. Die Teilnehmer verstehen viele Situationen dann sehr viel besser und haben idealerweise dann auch keine Angst mehr davor. Uns ist wichtig das man sich sicher fühlt und weiß was zu tun ist wenn es darauf ankommt.

Richtet sich euer Kursangebot nur an Eltern mit Baby oder Kleinkind?

Nein unser Kursangebot richtet sich nicht nur an Eltern. In unseren Kursen sind sehr oft auch die Omas, Opas, Onkel, Tanten und natürlich auch Schwangere dabei. Genaugenommen ist das Thema für jeden interessant und auch wichtig. Es geht ja nicht nur darum dem eigenen Kind im Notfall helfen zu können.

Erste Hilfe am Kind und Säugling ist ein so wichtiges Thema. Dennoch kenne ich selbst so viele Familien aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis die noch nie einen Erste Hilfe Kurs für ihr Kind besucht haben. Was würdest du diesen Eltern mit auf den Weg geben wollen?

Ich kann nur empfehlen, dass jeder an einem Kurs teilnimmt. Es muss ja auch nicht unbedingt das eigene Kind sein, dass Hilfe benötigt. Wenn man in eine Notfallsituation kommt, gibt es nichts schlimmeres als nicht helfen zu können. Immer wieder hört oder liest man, dass einem so ein Kurs zu teuer ist. Dabei geben viele z.B. bei einem Friseurbesuch oder einem Abendessen in einem Restaurant weit mehr aus. Das wissen in einem Notfall helfen zu können kann leben retten. Da ich mein Geld mit diesen Kursen verdiene, hört sich das von mir jetzt natürlich etwas eigennützig an….

Aber die Kosten für einen Erste Hilfe am Kind Kurs können nicht zu teuer sein wenn man dafür im Extremfall ein Leben retten kann.

Wie sind die Preise? Was kostet z. B. der Videokurs „Erste Hilfe am Baby & Kind“ und was macht diesen Kurs aus deiner Sicht besonders attraktiv?

Die Kurse kosten 45 Euro je Teilnehmer, auch unser Videokurs. Wobei der Videokurs natürlich nur einmal gekauft werden muss und man kann sich den Kurs dann mit seinem Partner „teilen“. Der Videokurs eignet sich für alle die noch keinen Kurs besucht haben oder auch zur Auffrischung wenn man schon einmal einen Kurs besucht hat. Dabei hat der Videokurs natürlich den Vorteil, dass man jederzeit starten kann und nicht an irgendwelche Kurszeiten oder Kursorte richten muss. Die Videos sind nach dem Kauf 12 Wochen lang beliebig oft abrufbar. Man muss sich den Kurs also nicht am Stück ansehen und kann jederzeit pausieren oder Themen auch einfach wiederholen.

Ein weitere Vorteil ist, dass man lernen kann wenn das Kind schläft. Somit muss man sich auch nicht nach einem Babysitter umsehen. Wie bereits erwähnt hat man auch bei den Videokurse die Möglichkeit eigene Fragen an uns zu stellen. Eine entsprechende Funktion ist in den Videokursen vorhanden. Das alles macht den Videokurs zu einer sehr interessanten Varianten zu den vor Ort Kursen.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele werdende Eltern über ein ganz besonderes Geschenk zur Geburt ihres Kindes freuen würden. Mama und Papa sein bedeutet eben auch, in Situationen für unser Kind da zu sein, in denen es unsere Hilfe am meisten benötigt. Daher Michaela, kann man eure Kurse eigentlich auch verschenken? Gibt es Geschenkgutscheine o. ä.?

Ja da hast du völlig recht. Wir werden immer wieder nach Gutscheinen gefragt, diese sind ein gefragtes Geschenk für (werdende) Eltern, aber auch für Eltern & Großeltern.

Daher bieten wir für unsere Kurse  natürlich auch Gutscheine an – auch für unseren online Video-Kurs.

Michaela Weber, richtig-helfen.com

Hier mein Geschenk für dich und deinen Geldbeutel

Das Thema Erste Hilfe am Kind ist dir wichtig? Du möchtest im Ernstfall die richtigen Tools in Händen halten?

Mit dem Gutscheincode MAMABLOG-10 reduzierst du den Kaufpreis für den Erste Hilfe Kurs bei Michaela Weber um 10,00 Euro. Der Gutscheincode ist zeitlich befristet und zwar bis zum 15.06.2019 (abgelaufen)

Mit einem “klick” in das nachfolgende Bild gelangst du direkt zum Videokurs “Erste Hilfe am Kind und Baby” und kannst den Gutscheincode auf der Bestellseite einfach angeben.

Michaela Weber ist auch deine Ansprechpartnerin bei Fragen, Problemen oder Wünschen rund um das Kursangebot im Bereich Erste Hilfe.

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Schnelle Entscheidung für das Kindeswohl – Ein Interview zur Online-Petition

Lieber Leser, dieses Interview liegt mir sehr am Herzen. Ich möchte mit einem Vorwort beginnen, welches nach meinem Empfinden auch sehr gut zum Beitragsbild passt, und damit auch zum heutigen Thema. Bei dem Vorwort handelt es sich nicht um meine Worte, sondern um die Worte von Tabea, die auch meine heutige Interviewpartnerin ist.

Bitte lass diese Worte wirken und stelle dir folgendes vor:

Du bist bspw. 1 ½ Jahre alt, du wirst aus deinem gewohnten zu Hause gerissen und bei Fremden untergebracht. Deine Eltern (egal, WIE sie sind – es sind deine Eltern, die du lieb hast) siehst du ab diesem Zeitpunkt nur noch ein bis zwei Mal in der Woche für jeweils eine Stunde – wiederum in fremder Umgebung unter Beobachtung von noch mehr Unbekannten. Nach einigen Wochen fängst du an, dich zu arrangieren – die Kinder bei den Fremden sind nett und lustig, die Erwachsenen sind auch okay, du kriegst Essen und Trinken, kannst spielen, erlebst Freud und Leid, durchlebst Frühling, Sommer, Herbst und Winter – einfach Familienleben. Alles wird irgendwann einfacher, normaler für dich. Du gehörst dazu! Und dann kommt der Zeitpunkt (vielleicht bist du dann schon 3 Jahre alt?), an dem du da PLÖTZLICH UND SCHON WIEDER weg musst. Alles, was normal und gewohnt war, ist abermals verschwunden.

Das Interview zur Online Petition

Liebe Tabea, direkt zu Anfang möchte ich dir sagen, dass es großartig ist, Menschen wie dich kennenzulernen. Menschen, die unsere Gesellschaft zu einem besseren Ort machen möchten, und zwar den schwächsten und kleinsten Mitgliedern. Bevor wir uns diesen zuwenden, ist es auch wichtig etwas über dich zu erfahren. Daher erzähle mir doch ein wenig von dir und stelle dich kurz vor.
Hallo Nadja, erst einmal DANKE für die Möglichkeit, die Du hier bietest, einen Blick hinter Kulissen zu werfen: Einblicke in ganz normal-verrückte Familien, aber auch Einblicke in die Ecken unserer Gesellschaft, wo man nicht so befreit hinschauen mag. Beides finde ich wichtig und hilfreich. Ich – 40 Jahre, verheiratet, gesegnet mit drei gesunden Kindern im Alter von 12, 10 und sieben Jahren. Ich bin Ergotherapeutin, gesellschaftsspielfreudig,freikirchliche Christin, Leseratte und FC-Fan (ob es da Zusammenhänge gibt, kann ich nicht sagen).
Neben diesen tragenden Säulen in meinem Leben ist da auch noch unsere Arbeit als Bereitschaftspflege-Familie.  Wir nehmen Kinder vorübergehend bei uns auf, die (aus welchen Gründen auch immer) nicht in ihren Herkunftsfamilien verbleiben können. 
Tabea, du bist wirklich eine Powerfrau. Kannst du mir sagen, wie es dazu kam, dass du Bereitschaftspflege-Mutter geworden bist? 
Nun, wir haben uns als Eltern seit unserem ersten Kind immer gegenseitig daran erinnert, dass jede Zeit mit unseren Kindern etwas Besonderes ist. Wenn es sehr stressig, aufregend oder absolut nervig war, hat mir das immer geholfen. Jedes Alter hat etwas Tolles – sowohl wir als Eltern, als auch unsere Kinder möchten das bewusst durchleben. 
Uns war aber auch klar, dass es viele Kinder gibt, denen es nicht so gut geht, wie unseren eigenen. So haben wir gespendet – an SOS-Kinderdörfer oder Kinderhospize… 
Irgendwann jedoch haben wir gemerkt: das reicht uns nicht! Für Kinder, die direkt neben uns leiden, müssen wir etwas TUN. Wir haben uns beim Jugendamt gemeldet, und als unser Jüngster vier Jahre alt war, hatten wir das erste Kind in der Bereitschaft bei uns.
Wie wird man eigentlich genau Bereitschaftspflege-Mutter? Kann jeder Bereitschaftspflege-Mutter werden? Gibt es Auflagen o. ä.?
Ich habe bei unserem Jugendamt angerufen und nachgefragt, wohin ich mich wenden muss, wenn wir eine Bereitschaftspflegefamilie werden wollen. Dann mussten wir ein kleines Prozedere durchlaufen – Gespräche, Hausbesuche, Fragebögen, ärztliches Attest, polizeiliches Führungszeugnis. Am Ende hat’s gereicht. Voraussetzungen gibt es einige, aber keine festgelegten – es ist von Amt zu Amt (oder von Träger zu Träger), von Stadt zu Stadt, von Kreis zu Kreis, von Land zu Land unterschiedlich. Klar, man sollte irgendwie Erfahrungen in der Erziehung oder pädagogische Kenntnisse haben, man sollte belastbar sein (jedes Kind bringt einen Rucksack mit seiner bisherigen Lebensgeschichte mit), je nach Alter des Kindes wenigstens ein freies Bett im Haus, und finanziell auf festen Füßen stehen. In den letzten Jahren wurde an der Gewinnung neuer Bereitschaftspflegefamilien viel gearbeitet.
Inzwischen ist oft ein Kurs notwendig, wo man auf diese Aufgabe vorbereitet wird. Das ist natürlich sinnvoll! Wer sich damit beschäftigt, Bereitschaftspflegefamilie zu werden, muss einfach in seinem Umkreis nachfragen, welche Voraussetzungen mitgebracht werden sollten.
Seit wann bist du Bereitschaftspflege-Mutter und wie viele Kinder befanden sich bisher in deiner Obhut?
Wir machen die Bereitschaftspflege seit fast vier Jahren. Im Moment haben wir das siebte Kind bei uns (der kürzeste Verbleib waren sechs Wochen, der längste Verbleib 13 Monate.
Was ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung als Bereitschaftspflege-Mutter? Welche Punkte unterscheiden den Alltag einer Bereitschaftspflege-Mutter vom Alltag einer gewöhnlichen Mama?
Der Alltag einer “gewöhnlichen” Mama sieht kaum anders aus, als der einer Bereitschaftspflege-Mutter. Klar, kommen ein paar “Extras” dazu: es finden regelmäßig geplante Treffen mit der Herkunftsfamilie statt (meist zwei Mal wöchentlich für eine Stunde, das ist aber alters- und perspektivabhängig), man schreibt Verlaufsberichte über das Kind (wie verhält und entwickelt sich das Kind in den verschiedenen Bereichen) oder muss eventuell spezielle Ärzte oder Therapeuten aufsuchen.
Die größte Herausforderung allerdings ist, einem völlig fremden Kind erst Nestwärme und Struktur, dann Kraft und Selbstbewusstsein für den weiteren Lebensweg mitzugeben. Bei den eigenen Kindern hat man dafür Jaaaaahre Zeit – vom Babyknuddeln bis zum Auszug. Hier muss man immer den Gedanken im Kopf und Herz behalten “KIND, DU BIST GAST”. 
Ist es emotional nicht sehr belastend, ein Kind wieder aus seiner Obhut geben zu müssen, zu dem schon eine emotionale Bindung besteht? Das ist es sicherlich auch für das Kind, welches sich bei euch als Bereitschaftspflege-Familie in Obhut befindet?
Ja, natürlich! Und je länger so ein Kind bei uns “zu Gast” ist, umso schwerer wird es. So ein Kind findet sich ja ganz schnell ein – es arrangiert sich erst, dann lebt es sich ein, dann wird es wie selbstverständlich Teil der Familie. Es teilt den Alltag mit uns – von Montag bis Sonntag, 0.00 Uhr bis 23.59 Uhr, Januar bis Dezember, Winter bis Herbst, alle Geburts- und Feiertage. 
Abhängig ist es aber auch davon, wohin wir das Kind “weitergeben” – geht es zurück in seine Familie? Hat sich dort soweit alles gefestigt und wird das Kind es dort gut haben oder haben wir Bauchweh, wenn wir daran denken? Geht es in eine Dauerpflege? Wird es dort auf liebe Eltern, vielleicht Geschwister und Haustiere treffen, behalten wir den Kontakt, können wir hin und wieder erfahren, wie es dem Kind geht? Solche Sachen erleichtern oder erschweren den Abschied.
An dieser Stelle möchte ich gerne auf deine Petition zu sprechen kommen. Du hast eine Online-Petition ins Leben gerufen, die sich an den Petitionsausschusses des Bundestages, Frau Bundesministerin Giffey und Frau Bundesministerin Barley, richtet. Du forderst in dieser eine schnellere Entscheidungen für das Kindeswohl. Damit meinst du vor allen Dingen die Zeit, die es braucht, bis entschieden wird, wie es mit dem Kind weitergeht. Diese ist wohl sehr von der Perspektivklärung abhängig. Was verstehe ich genau darunter? 
Ja, diese Begriffe immer! Aus eigener Erfahrung und aus den Erfahrungen anderer Bereitschaftspflegefamilien sehen wir, dass dieser Prozess der Entscheidung – wo wird die Zukunft des Kindes stattfinden? – oft lahmt. Das hängt an vielen Faktoren. Angefangen von den Jugendamtsmitarbeitern (die einfach zu viele Kinder, Jugendliche und Familien begleiten und Entscheidungen für diese zu treffen haben), weiter über die Gerichte (letztlich hörte ich, dass hier im Umkreis ein Familienrichter auf seinem Schreibtisch durchschnittlich 80 “Fälle” zu liegen hat), die Herkunftsfamilien (viele Mütter und Väter möchten für ihre Kinder viel erreichen und scheitern an ihren eigenen Ansprüchen, viele gehen auch gerichtlich gegen die Entscheidungen von den Ämtern vor) und beispielsweise die Gutachter (häufig fordert der Richter ein “Erziehungsfähigkeitsgutachten” an, um sich und seine Entscheidung abzusichern – der Gutachter muss also das Kind, die Eltern und Verwandten, jeden einzeln und im Verbund in den unterschiedlichen Situationen beobachten, testen, beurteilen, das dauert – wenn es gründlich gemacht wird – ungefähr ein halbes Jahr).
An so einer Entscheidung FÜR das Kind sind Viele beteiligt (am wenigsten das Kind). 
Nun haben wir überlegt, wo kann man denn ansetzen, damit es schneller entschieden werden kann? Wenn ein Richter einen zweiten Kollegen bekommt, hat jeder anstatt 80 “Fälle” nur noch 40 – da hat man doch schon mehr den Kopf frei. Bei den Jugendamtsmitarbeitern sieht es ähnlich aus. Sie können noch so bemüht sein, auch ihr Tag hat nur 24 Stunden! Gäbe es von diesen Menschen mehr, wäre die Lage für ein Kind doch schon wesentlich entspannter. 
An einem guten Gutachten und an den unterschiedlichsten Herkunftsfamilien kann man nicht drehen. Vielleicht gelingt es ja so, dass die Kinder – um die es doch geht – auch in den Blickpunkt kommen.
Ihr Wohl, ihre Rechte sollten bedacht und gestärkt werden. Es kann nicht der Sinn sein, dass ein Kind über Monate (oder Jahre!) auf einem “Sprungbrett” steht, bis geklärt ist: wer lässt das Wasser ins Becken des Lebens und wie weit wird der Hahn aufgedreht? Das Kind steht frierend oben und wartet auf den Absprung in das warme umhüllende Wasser.
Gab es einen Auslöser, der dazu geführt hat, dass du diese Online-Petition ins Leben gerufen hast? 
Ja, wir haben bei unserem Träger regelmäßige Treffen mit den anderen Bereitschaftspflegefamilien. Dort tauschen wir uns aus über Anliegen, Probleme, Freud und Leid. Letztes Jahr gab es zwei Familien, die Kinder schon weit über ein Jahr hinaus bei sich hatten (ein Kind wurde nach 23 Monaten!!! in eine Dauerpflegefamilie vermittelt). Es wurde “im Rudel” geklagt: “es ist so nervenzehrend”, “man kann nichts tun”, “man steht nur hilflos wartend daneben”…
Da hat es bei mir “pling!” gemacht – gibt es wirklich NICHTS, was man tun kann?! Naja, und dann kam mir die Idee mit der Petition.
Was ist dein Ziel, was möchtest du erreichen? Gab es schon Teilerfolge? Positives Feedback aufgrund deines Appels an die Jugendämter: Schnelle Entscheidungen für das Kindeswohl?
Ich möchte unterm Strich etwas FÜR die Kinder ändern. Bei der Petition habe ich mir das Ziel “50.000 Unterzeichner” gesetzt.
Eigentlich nicht viel – wenn man bedenkt, wie viele Kinder es in Deutschland gibt, wie viele dazugehörige Eltern, Tanten, Onkel und Großeltern. Das geht doch Alle etwas an! Wer geht an einem Kind vorbei, das gerade auf die Nase gefallen ist? Niemand (hoffe ich)! Aber für Kinder, denen viel Schlimmeres als eine Schramme widerfährt, setzt sich nur eine “Handvoll” Menschen ein. Warum? Kinder haben keine Lobby! 
Ich denke, dass die Petition ein Anfang sein kann. Unsere Gesellschaft muss sich wieder mehr auf ihre Kinder besinnen! Sie sind unsere Zukunft! Was sagt es über eine Gesellschaft aus, in der im Jahr 2017 über 60.000 Kinder in Obhut genommen wurden?
Warum dauert es so lange, bis für die Zukunft eines Kindes eine Entscheidung gefällt werden kann? Eine Kindheit ist endlich! 
Ich habe schon sehr viele positive Rückmeldungen bekommen, Zuschriften, Mails, Gespräche… (Viele auch mit Ideen, wie die Petition noch “erweitert” werden kann, gute Ideen, wirklich! Aber es muss erst einmal ein Anfang gemacht werden…) Die SPD-Ortsfraktion hatte mich eingeladen, um mich anzuhören und wird eine Anfrage über die Kreisfraktion einreichen. Zeitungen haben oder werden über die Petition berichten – ich habe schon einige Kontakte mit anderen Pflegeeltern vermittelt, die mit Journalisten ihrer lokalen Presse reden (werden). 
Ansonsten nehme ich vermehrt wahr, dass das Thema in der Politik ankommt (und da ist vermutlich nicht meine Petition ausschlaggebend): die Anfrage der LINKEN im Bundestag zur Situation des Pflegekinderwesens oder eine Kampagne, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben hat, um festzustellen, wo der Schuh in der Kinder- und Jugendhilfe drückt (da wurde die Basis in der Erarbeitung mit einbezogen! Mitreden – mitgestalten). 
Das macht Mut, dass etwas geschieht – nicht nur geredet wird.
Liebe Tabea, wir alle sollten uns für die schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft einsetzen. Meine Stimme hast du. Gibt es noch etwas was ich für dich tun kann, außer diesen Beitrag mit meinen Lesern zu teilen. Wie können wir alle dein Vorhaben unterstützen?
Na, als erstes natürlich die Petition unterzeichnen und weiter unters Volk bringen (WhatsApp, Facebook, Mail, Unterschriftenlisten – alles ist heutzutage möglich). 
Vielleicht fühlt sich der Ein oder Andere auch berufen, selbst etwas zu TUN für Kinder (nicht nur unterschreiben, teilen oder spenden).
Nicht nur die Jugendämter würden sich freuen über neue Bewerber als (Bereitschafts-)Pflegefamilie, auch Kindergärten freuen sich über Lesepaten, Schulen über Bibliotheksmitarbeiter, Sportvereine über Waschmaschinen, die dreckige Trikots waschen.
Das, was man mit Kindern erlebt und teilt, bereichert ungemein! Also: nur Mut! 

Deine Stimme zählt – so gelangst du zur Petition

Du möchtest die Petition durch deine Stimme unterstützen? Folge hierzu bitte diesem Link “Schnellere Entscheidungen für das Kindeswohl – Online-Petition”

Deine

Elterninterview mit zweifach Papa Georg

Elterninterview mit Papa Georg

Vor einigen Wochen lernte ich den sympathischen zweifach Papa Georg kennen und durfte mit ihm ein Elterninterview führen. Georg ist ganz großartig auf meine Fragen eingegangen und ist wahrhaftig ein Papa, der sich auch darüber Gedanken gemacht hat, wie er unseren Mama-Alltag gerade mit einem kleinen Baby erleichtern kann. Hab ich euch etwa neugierig gemacht? Na dann wollen wir mal direkt in das Interview starten.

Hallo Georg, ich freue mich, dass ich mit dir dieses Interview führen darf. Erzähl doch mal etwas über dich?
Hey Nadja, die Freude ist ganz meinerseits. Ich komme aus Österreich, genauer aus dem schönen Klagenfurt im Süden Österreichs. Dort lebe ich mit meiner Freundin Babsi (genauer gesagt meiner Verlobten… hach das klingt immer noch irgendwie schräg) und meinen beiden Kindern, Andreas und Paula. Schon seit meiner Schulzeit war programmieren meine große Leidenschaft und so hab ich dann in Graz Softwareentwicklung und Wirtschaft studiert. Dann kam vor einigen Jahren das iPhone auf den Markt und seit man dann dafür auch noch Apps machen konnte, mach ich Apps. Für mich ist das zwar schon meine Arbeit, mein täglich Brot, vor allem aber mein Hobby. Ich finds cool was man damit alles machen kann und vor allem, dass ich es immer dabei haben kann.
Wie hast du die Schwangerschaft deiner Basis erlebt? Wurdest du miteinbezogen und worin haben sich die beiden Schwangerschaften unterschieden?
Das war extrem cool. Bei der ersten Schwangerschaft wusste ich anfangs nix, weil wirs ja auch nicht aktiv forciert haben. Wenns passiert cool, aber Stress, na… hamma nit. Und dann war meine Freundin beim Frauenarzt, ich in Wien bei einem Kunden und sie hats halt gar nimma ausgehalten zu warten bis ich am nächsten Tag wieder da bin. Dann hab ich ein Ultraschallfoto von ihr bekommen und bin vor Freude in Tränen ausgebrochen. Muss für die Passanten auf der Straße komisch gewesen sein.
Und die Schwangerschaften waren super cool. Also beide. Ich finde Frauen mit Babybäuchen einfach super schön.
Die strahlen meistens dann so ein Glücklich-Sein aus. Unsere beiden Schwangerschaften haben wir dann – beim Andreas noch jeden Tag, bei der Paula einmal pro Woche – dokumentiert und halt so ein Timelapse draus gemacht. Schau ich mir immer wieder gerne an! Fotografie ist neben meiner Arbeit ein weiteres Hobby von mir. Aber so richtig realisiert dass ich bald Papa sein werde, war erst im Krankenhaus zur Geburt vom Andreas… aber ich glaub das geht vielen Vätern so.
Bei der Paula war dann schon alles cooler. Also wir waren cooler. Weil man ja weiß was so auf einen zukommt. Und es war halt auch lässig dem Andreas zu erklären was da passiert und zu sehen dass er am Ende auch schon seeeehr gespannt war.
Wie sehr haben die Kinder dein Leben verändert (was ist anders) und vor allen Dingen wie muss ich mir so einen typischen Papa-Alltag bei dir zu Hause vorstellen?
Quasi komplett. Also da braucht man nix drum rumreden. Aber ich würde sagen sehr zum positiven. Ich war von der ersten Sekunde absolut bis über beide Ohren in beide verliebt. Geändert hat sich halt meine Spontanität. Es geht jetzt halt nicht mehr einfach mal spontan nach der Arbeit noch auf ein Bier zu gehen… Sport muss ich jetzt besser planen und das letzte mal mit der Babsi ALLEINE Essen + Kino ist schon länger her… (obwohl ich mich an dieser Stelle ganz fest bei meiner Mutter bedanken möchte, die uns wirklich unglaublich toll unterstützt). Aber statt Bier nach der Arbeit komm ich halt dafür jetzt heim und der Andreas stürmt mir entgegen – Papa, Papa, Papa, …. –  und berichtet aufgeregt von seinem Tag. Und mittlerweile krabbelt die Paula auch schon hinterher.
Und das ist dann immer wieder so unglaublich schön dass es alles andere vergessen lässt! Wochentags ist es so, dass ich mit dem Andreas in der Früh mit dem Lastenrad in die Kindergruppe (KITA heißt das bei euch glaub ich?!?) fahre und dann weiter in mein Büro. Das ist ganz praktisch, weils ca 200m von meinem Büro entfernt liegt. Und Abend komm ich dann halt heim und wir essen zu Abend, spielen noch und dann geh ich mit dem Andreas ins Bett zum Buch-lesen. Paula wird aktuell noch von der Babsi niedergelegt, weil sie halt noch stillt und die Paula auch die Brust noch braucht. Nix sonderlich spezielles denk ich. Und am Wochenende machen wir dann halt meistens Action… Zum See, in die Berge oder so Sachen… Mir ist es jedenfalls wichtig Zeit mit der ganzen Familie zu verbringen.
Was ist Dir wichtig bei der Erziehung Deiner Kinder? Worauf legst Du großen Wert? Hast Du gemeinsam mit deiner Babsi Rituale, z. B. beim Zubettbringen eurer Kinder?
Hm… Babsi sagt immer dass ich eher anti-authoritär bin. Das würd ich jetzt mal nicht ganz so sagen. Mir ist es sehr wichtig dass wir immer alle höflich und nett zueinander und anderen sind. Ich würde meinen Kindern gerne weitergeben dass Freundschaft und Familie immer über allem steht und dass auch wenn man sich mal streiten sollte, man sich immer wieder möglichst gleich ausreden und versöhnen sollte. Aber ja, ich will meine Kindern Dinge selbst ausprobieren lassen, weil nur so lernt man ja, oder? Neugierde muss gefördert werden! Und Ihnen halt vorleben was sinnvoll und was nicht sinnvoll ist.
Ohne jetzt abschweifen zu wollen, aber in Zeiten wo so manche Politiker immer mehr Zeit damit verbringen Gesellschaften zu teilen anstatt zu verbinden, möchte ich meinen Kindern zeigen, dass man mit Offenheit, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit viel mehr Spaß am Leben hat. Unsere Rituale, also Dinge die quasi jeden Tag gleich ablaufen… ich bin seit der Geburt von Paula der Andreas-Beauftragte. Vor Paula hab ich Andreas unter der Woche schlafen gelegt (nachdem er abgestillt war) und Babsi am Wochenende, weil ich ihn unter der Woche ja weniger gesehen hab und somit am Abend noch gut mit ihm kuscheln konnte. Aktuell bin ich halt der ausschließliche Andreas Beauftragte. Unser Abend läuft aktuell so ab, dass wir gemeinsam Zähneputzen, ihn umziehen und dann im Bett noch ein Buch lesen und dann schläft er ein und ich hin und wieder gleich mit. Dann muss mich die Babsi wieder wecken, dass wir auch noch gemeinsam genug Zeit haben.
Wann warst du zuletzt mit deiner Babsi aus, z. B. im Kino und hast du noch Zeit für Hobbys?
Das letzte mal dass NUR wir zwei Abends unterwegs waren, war,  glaub ich eine Woche vor Paulas Geburt. Da sind wir schick essen gegangen und haben uns im Kino einen echt lustigen Film angeschaut. Sonst haben wir es bis jetzt (nochmal danke an meine Mama) ein paar mal geschafft gemeinsam Laufen zu gehen oder Mountain zu biken. Für mich ists natürlich auch einfacher mal so eine Stunde oder so selbst was zu machen. Aber wenn die Babsi dann abgestillt hat, wirds umgekehrt auch wieder so sein. Mir ist schon sehr bewusst dass es sehr sehr anstrengend sein kann auf zwei Kids aufzupassen und will sie da so gut es geht unterstützen. Und ich hab vor kurzem den super frühen Morgen für mich zum sporteln entdeckt. Um 5 in der Früh hat man zwar ein bisschen mit seinem Schweinehund zu kämpfen, aber dann kommt man um 7 heim, kann sich mit den Kindern für den Tag fertig machen und hat auch schon was getan. Kann ich empfehlen!
Was bewunderst du bei deiner Babsi in Bezug auf die Erziehung eurer Kinder am meisten, und was denkst du, was bewundert sie an dir?

ALLES würd ich sagen. Also wirklich! Hut ab, ich finde sie macht das so derart liebevoll und gut! Sie ist extrem geduldig, obwohls ja oft nicht einfach ist, aber sie meistert das wunderbar. Vor allem beschäftigt sie sich halt einfach wirklich den ganzen Tag mit den Zwergen und zeigt ihnen geduldig die Welt. Ich denke ihr gefällt meine Ruhe. Wenns halt manchmal dann doch sehr an den Nerven zehrt, dann versuche ich halt Ihr Ruhepol zu sein und ich denk dass das für sie fein ist. Ich versuch halt immer positiv zu denken und nicht immer an alles was-ist-wenn zu denken, weil die Vergangenheit ja gezeigt hat, dass es immer irgendwie geht.

Was würdest du anderen werdenden Vätern raten? Vielleicht kannst du hierzu kurz etwas aus der Anfangszeit mit eurem Andreas und eurer Paula erzählen. Was war für euch die größte Herausforderung als das Kind dann da war, was viel euch wirklich schwer?
Also meine Botschaft Nummer eins sollte sein: Gratulation! Freut euch! Auf euch kommt eine so unglaublich schöne Zeit zu! Es klingt jetzt sicher kitschig, aber es war bei uns von Anfang an einfach SUPER GEIL! Wir sind aber halt auch nicht die aller jüngsten Eltern. Ich war 31 und Babsi 32 bei der Geburt vom Andreas. Und natürlich heißt super geil auch nicht, dass es nicht anstrengend wäre, aber es ist so unglaublich schön so ein kleines Zwutschi da zu haben. Wenns einem zum ersten mal bewusst anlächelt, nach den Fingern greift. Einfach nur schön! Mein Rat wäre davor alles das zu machen, was mit Klein-Kindern eher schwierig ist. Also reisen, reisen, reisen. Das ist dann mit Kleinkindern halt einfach anders. Wir machen dass immer noch sehr sehr gerne, aber es ist halt jetzt mehr gemütlicher Strand-Urlaub, was früher halt Road-Trips und Sport-Abenteuer waren. Und dann wenn das Kind da ist, ist mein Rat sich Zeit zu nehmen.
Es gibt so unglaublich viele spannende Dinge die man beobachten kann wenn so ein kleines Ding die Welt erkundigt und Dinge ausprobiert. Was ich anderen Jung-Vätern aber auch noch umbedingt sagen will… es ist super super anstrengend für die frische Mama, also unterstützt die Mamas wo’s nur geht. Gerade beim zweiten Kind ist dass dann nochmal wichtiger…Den ganzen Tag nur mit Kleinkindern zu reden ist super anstrengend und intellektuell halt auch nicht super befriedigend… Also umbedingt der Mama da viel Arbeit annehmen und ihr Zeit zum verschnaufen geben!
Lieber Georg, ich hatte es ja bereits ganz zu Anfang angekündigt, aber noch nichts verraten. Jetzt aber…Beschreibe doch mal bitte, wie es zu Deiner App „BabyDiary“ kam und was die App kann?
Naja, wie anfangs schon gesagt ist meine Arbeit ja mein Hobby. Als wir am zweiten Tag nach der Geburt vom Andreas die Frage der Hebamme bekamen, wann die Babsi an welcher Brust zuletzt gestillt hat, konnte sie das nicht mehr so ganz sicher beantworten und hat sich auf die Suche nach Apps gemacht. Und nachdem mir mein Beruf echt Spaß macht und ich das Glück habe für echt tolle Kunden arbeiten zu dürfen, denen User-Experience und UI-Design auch wichtig sind, habe ich halt den Anspruch, dass eine App die man jeden Tag verwendet, wirklich gut funktionieren muss um möglichst nicht als Last empfunden zu werden. Leider war das bei keiner der Apps die wir damals getestet haben der Fall und somit hab ich damals begonnen selbst was für die Babsi zu machen. Leider noch alleine und ich kann halt leider echt so gar nicht designen. Aber da hab ich halt das super Glück einen der besten Designer zu kennen, Wolfgang Bartelme – er hat schon einige Apple Design Awards gewonnen, weiß also wirklich was er tut.
Und dann haben wir das ganze gemeinsam nochmal begonnen. Und ich wollte halt auch dass die App nicht nur rein das Log-Buch für die Dinge wird, die man so und so jeden Tag machen muss, sondern als Erinnerung für die ganz vielen unendlich schönen Momente im Jung-Eltern-Leben fungiert. Ich möchte mir für immer alle Wortkreationen meiner Kinder merken. Ich will wissen, dass Wasser für den Andreas Baja geheißen hat und dass es nicht die Strumpfhose war sondern die Strumperhose. Ich find das einfach so unglaublich süß. Und auch das Festhalten von Meilensteinen find ich was tolles. Andere Apps wirken eher wie ein liebloses Front-End für eine Datenbank. Da gehört Liebe und Emotion rein wenn sich sein Baby zum ersten Mal dreht oder der erste Zahn durchkommt (Jippie… war bei Paula am Wochenende soweit).
Die ganze App muss irgendwie leben. Da müssen Dinge schön animieren, da müssen die Dinge intuitiv zu bedienen sein, es muss alles stimmig sein und das ganze muss Spaß machen es zu bedienen. Und dann sollte das ganze auch gut ausschauen. Ich denke dass uns das ganz gut gelungen ist, wir sind aber immer für Feedback offen. Ich freu mich über jede Email die ich bekomme und setze die Ideen unserer User auch sehr gerne um! Wichtig ist mir auch der Umgang mit den Daten. Ich bin selbst jemand der mit den Daten meiner Kinder sehr vorsichtig ist. Und meine App lässt die Daten alle NUR am eigenen Handy. Aktuell arbeite ich an einem Sync um Daten mit dem Partner zu teilen, aber auch das muss so sein, dass die Daten verschlüsselt bleiben und NUR für die beiden Personen verwendbar ist. Und das weiß man halt nur dann, wenn man die App selbst macht. Und nebenbei ists ja schön noch ein weiteres Baby in App-Form zu haben.
Ein weiteres Baby in App-Form? Dieses Interview habe ich eindeutig mit einem Mann geführt!

Eure

 

 

 

Ps: Ja ich habe tatsächlich noch ein “ps” für euch….in meinem nächsten Artikel teile ich mit euch meine Erfahrungen mit der BabyDiary App, die ich durch den lieben Georg kennenlernen durfte.

Pflegekind – Unser Weg zum Wunschkind

Mein Elterninterview zum Thema Pflegekind

Meine eigene Kinderwunschzeit liegt hinter mir. Heute bin ich Mama von zwei wunderbaren Kindern. Jede Kinderwunschfamilie hat ihre eigene Geschichte, und während sich für die einen der Traum vom eigenen Kind nach vielen Jahren doch noch erfüllt, so gibt es auch die Kinderwunschpaare, die alternative Wege gehen müssen, um ihrem Wunschkind zu begegnen. So wie bei Sarah. In Form eines Interview haben Sarah und ich gemeinsam ihre Geschichte “Unser Weg zum Wunschkind” festgehalten.

Liebe Sarah, ich freue mich, dass ich heute mit dir dieses Interview führen darf. Stelle dich bitte kurz einmal vor. Wie alt bist du und woher kommst du?

Hi Nadja, ich bin gerne dazu bereit, um vielleicht anderen auch die Scheu vor dem Thema „Pflegekinder“ zu nehmen. Also mein Name ist Sarah, ich bin 33 Jahre alt und lebe mit meinem Ehemann und unseren 3 Pflegekindern an der Nordsee in  Schleswig-Holstein.

Sarah, wir haben uns über Facebook kennengelernt und du hast mir ein paar wertvolle Reisetipps mit auf den Weg gegeben, und dabei von deinen Pflegekindern erzählt. Bei unserer Unterhaltung stellte sich hierbei heraus, dass wir eine große Gemeinsamkeit haben. Eine lange Kinderwunschzeit.     Magst du mir ein wenig aus deiner Zeit erzählen?

Ja gerne, ich habe meinen Mann mit 22 Jahren geheiratet. Nach 1 Jahr unserer Ehe war der Kinderwunsch da, der sich leider nicht über die 2 folgenden Jahre erfüllte. Leider mussten mir nach einigen Untersuchungen die Eileiter entfernt werden. Mein Mann und ich standen der künstlichen Befruchtung positiv gegenüber, weil alles andere stimmte (Eier, Samen etc.). Umso größer waren dann die Enttäuschungen, dass es nicht geklappt hatte. Ich bin mir sicher, dass es irgendwann sehr wahrscheinlich auch funktioniert hätte, aber ich konnte nicht mehr mit den Enttäuschungen umgehen.

Dein Kinderwunsch hat sich dann letztlich doch erfüllt, wenn auch anders wie ursprünglich geplant und erhofft. Du bist jetzt Pflegemutter…ich sage einfach mal Mama :-). Kannst du mir erzählen, was der Auslöser für dich und deinen Mann war Pflegeeltern zu werden? Wäre auch Adoption für euch eine Option gewesen?

Vor mehreren Jahren haben wir uns schon einmal beim Jugendamt über Adoption oder auch Pflegekinder informiert, aber wir konnten uns das mit dem „fremdem“ Kind einfach nicht vorstellen. Wir haben mit unserem unerfüllten Kinderwunsch abgeschlossen und unser Leben wieder genossen (mit der Familie, mit Freunden, durchs Reisen oder auch einfach nur zu zweit im eigenem Heim).

Vor 4 Jahren bekamen wir neue Nachbarn, die sehr schnell in unserer guten Nachbarschaft Anschluss gefunden haben. Kurz darauf bekamen sie ihren ersten Pflegesohn und wir haben das folgende Jahr beobachten können wie schön sie zu einer Familie zusammen gewachsen sind.  Das live zu sehen und mit zu erleben war für uns der Auslöser umzudenken und den Schritt zu wagen.

Welche Voraussetzungen muss man als Paar mitbringen, um Pflegeeltern zu werden und wie muss ich mir das ganze Verfahren vorstellen? Wie ist also der Ablauf, an wen muss ich mich wenden, und weißt du ob das Pflegeverfahren von Bundesland zu Bundesland immer gleich ist, oder ob es hier Besonderheiten gibt?

Als Pflegeeltern wird man zu Mama und Papa des Pflegekindes, man darf nicht vergessen, dass das Pflegekind somit zwei Mamas und Papas hat. Es ist sehr wichtig, das man sich vorher schon darauf einstellt und einem klar ist, dass die leiblichen Eltern wichtig für das Pflegekind sind. Ich persönlich habe damit auch überhaupt keine Probleme, ich habe durch meine Pflegekinder so viel Schönes gewonnen.

Wir waren zu einem zweitem Erstgespräch beim Jugendamt, um uns über das Thema Pflegeltern noch einmal zu informieren. Daraufhin wurden wir zu einem Seminar eingeladen, das alle Pflegeeltern machen müssen, um Pflegekinder aufzunehmen. Das Seminar selber ging über 2 Wochenenden. In diesem Seminar erfuhren wir viel über die Rechte und Pflichten von Pflegeeltern, redeten über unsere Beweggründe und hörten erfahrenden Pflegeeltern zu. Das Seminar kostete kein Geld und war auch nicht verbindlich, eigentlich half es uns sogar noch einmal darüber nach zudenken, ob wir das alles wirklich wollen. Nach dem Seminar mussten wir dem Jugendamt ein Führungs- und Gesundheitszeugnis vorlegen.

Die Mitarbeiterin vom Jugendamt meldete sich für einen Nachmittag an, um sich die Gegebenheiten in unserem Haus anzuschauen. Was sehr nett und zwanglos ablief, sie bat uns freundlich um Einsicht in unsere Gehaltsabrechnungen, um sicher zu stellen das wir kein Arbeitslosengeld beziehen. Die Mitarbeiterin hat uns gefragt was wir uns „wünschen“ würden, also z.B. Geschlecht und Alter oder ob wir auch ein behindertes Kind aufnehmen würden. Das Geschlecht war uns egal, wir hatten den Wunsch ein Kind bis zu 1 Jahr alt bei uns aufzunehmen und baten darum uns nicht für behinderte Kinder anzufragen.

Bei uns ging es sehr schnell :

– Oktober: Erstgespräch

– November: Seminar

– Dezember: Erstanfrage für ein Pflegekind , Kurzzeitpflege, lehnten wir aber ab

– Januar: 1. Pflegekind

Die Verfahren sind nicht von Bundesland zu Bundesland, sondern von Jugendamt zu Jugendamt unterschiedlich. Das Seminar findet bei den meisten, wie mittlerweile auch bei uns, ein Jahr lang, jede 2te Woche einen Tag, statt. Man sollte sich an das Jugendamt in seinem Landkreis wenden, allerdings kann man sich auch an ein anderes wenden.

Sarah du hast mir erzählt, dass Du Mama von mehreren Pflegekindern bist. Magst du mir ein wenig von deinen Pflegekindern erzählen. Wie schnell kamen sie zu dir und in welchem Alter? Dabei stellt sich mir auch die Frage, wie lange du schon Pflegemama bist und wie fühlt es sich an?

Ich fühle mich nicht nur so, sondern ich bin auch die Mama von allen dreien Mäusels ☺

Der Älteste kam mit 1 Jahr zu uns und ist vor kurzem 3 Jahre alt geworden. Im März letzten Jahres bekamen wir ein 4 Monate altes Mädchen und im September kam der 5 Monate alte leibliche Bruder des großen noch dazu. Somit bin ich jetzt seit 2 Jahren Pflegemama und genieße jede Sekunde davon. Die beiden Jungs sind zur dauerhaften Pflege bei uns und die kleine Prinzessin soll demnächst in den leiblichen Elternhaushalt zurückgeführt werden. Das Pflegekinder zurückgeführt werden, ist sehr selten, da es schon starke Gründe geben muss, um sie überhaupt aus der Obhut der leiblichen Eltern heraus zu nehmen. Ich weiß, dass die leiblichen Eltern unserer Pflegetochter alles versuchen und alles machen, damit sie Ihre Tochter wieder bei sich aufnehmen können. Und wenn die Umstände zuhause wieder alle stimmen, dann ist es für sie ja auch gut wieder bei ihren leiblichen Eltern aufzuwachsen. Nun war ich bei ihr aber auch von Anfang an darauf eingestellt.

Gibt es eine zeitliche Begrenzung, wie lange ein Pflegekind bei dir bleiben darf und welche Rechten und Pflichten hast du als Pflegemutter? Besteht Kontakt zu den leiblichen Eltern?

Als Pflegeeltern weiß man anfangs nie wie lange das Pflegekind bleiben wird. Man kann es für sich einschätzen, wenn man die Gründe der Herausnahme erfährt. Wir führen ein ganz normales Leben wie andere Familien auch, allerdings gibt es einige Dinge die dann doch anders sind 😉  Wir als Pflegeeltern haben kein Sorgerecht, somit brauchen wir z.B. eine Einverständniserklärung für Impfungen. Auch Auslandsreisen müssen wir dem Jugendamt vorher anmelden. Den Vertrag für die Kita mussten auch die leiblichen Eltern, als Sorgeberichtigte, unterschreiben. Ich binde die Eltern gerne dabei mit ein, die leiblichen Eltern freuen sich darüber und fühlen sich wichtig für ihr Kind.

Es gibt für jedes Kind jedes Jahr ein Hilfeplangespräch beim Jugendamt. Bei diesem Termin wird über das Kind, über die Umgangszeiten und die Ziele der leiblichen Eltern gesprochen. Umgangszeiten bei Pflegekindern sind sehr unterschiedlich. Oft findet ein Umgang nur alle 14 Tage statt. Bei unserer kleinen finden mehrere Umgänge die Woche statt, damit die starke Bindung zu den leiblichen Eltern bestehen bleibt. Als Ansprechpartner steht uns eine Mitarbeiterin des Jugendamtes immer zur Verfügung, wenn wir Fragen haben oder auch wenn wir unsere Sorgen und Ängste loswerden möchten. Außerdem bekommen wir, für uns aber nicht der Grund Pflegeeltern zu werden, finanzielle Unterstützung .

Für jedes Pflegekind bekommen wir 745 € Pflegegeld. Auch bei der Erstausstattung eines Pflegekindes bekommt man bis 1500 € Beihilfe (Mobiliar, Kleidung, Kinderwagen, Autositz etc.). Ebenfalls wird der Kindergartenplatz auch durch das Jugendamt übernommen. Der positive Nebeneffekt dadurch ist, das ich die Elternzeit die mir für jedes Kind zusteht voll ausnutzen kann und bei den Kindern bleiben kann und nicht nach einem Jahr wieder arbeiten gehen muss.

Welche Eigenschaften sollte man deiner Meinung nach als Paar mitbringen, wenn man ein Pflegekind aufnehmen möchte, und mit welchen Hürden oder Schwierigkeiten muss man ggfls. als Pflegeeltern rechnen, die viel emotionale Stärke erfordern?

Viel Verständnis und Liebe. Und vor allem sollte man sich nie ein Urteil über die leiblichen Eltern bilden. Pflegekinder werden in ihrer Pflegefamilie genauso groß wie Kinder in ihrer eigenen Familie. Der einzige Unterschied ist, dass die Pflegekinder mehr Termine haben, wie z.B. die Umgänge und das man nicht alles alleine entscheiden kann. Natürlich ist das Schlimmste was passieren kann für Pflegeeltern, dass ein Pflegekind zurückgeführt wird. Uns war wichtig, dass unser erstes Pflegekind in dauerhafter Pflege bleibt und unsere Ansprechsperson beim Jugendamt hat uns fallabhängig bei unserem ersten Pflegesohn angefragt. Nachdem wir einschätzen konnten das er bleibt, waren wir auch dazu bereit ein Pflegekind auf Zeit aufzunehmen.

Das wichtigste für das Pflegekind ist es, die leiblichen Eltern als seine voll zu akzeptieren. Man sollte sich immer selber vorstellen in einer Pflegefamilie groß geworden zu sein und egal was deine leiblichen Eltern gemacht hätten, sie wären immer noch deine Eltern und wichtig ☺

Liebe Sarah, du bist so ausführlich auf meine Fragen eingegangen und hast dir dafür Zeit genommen. Fällt dir vielleicht noch etwas ein, was ich dich hätte fragen können?

Bei deiner Frage mit dem Verfahren bin ich nur auf den Ablauf eingegangen bevor man das Kind bekommt.  Bei einer Anfrage vom Jugendamt für ein Pflegekind läuft es immer unterschiedlich ab und ist aber auch zugleich das Aufregendste. Wenn der Anruf vom Jugendamt kommt, wird man gefragt, ob man sofort oder in den nächsten 2 Tagen ein Kind aufnimmt. Das einzige was man als erstes erfährt, ist das Geschlecht und das Alter, und manchmal erfährt man auch was über die Hintergründe, aber manchmal auch nicht. Dieser Moment ist super aufregend, denn nun muss schnell gehandelt werden. Besorgungen müssen erledigt werden, für ein Pflegekind haben wir tatsächlich alles an einem Tag besorgen können und damit  meine ich all das wofür frisch gebackene Eltern 9 Monate Zeit hatten. Bei den Übergaben waren wir auch immer sehr aufgeregt und haben uns auf den Zuwachs unserer Familie gefreut.

Ich danke dir für dieses schöne Interview und freue mich an dieser Stelle sehr, dass du und dein Mann mit euren Pflegekindern zu einer wunderbaren Kinderwunschfamilie herangewachsen seid.

Danke, ich habe das gern getan und  falls Leser spezielle Fragen haben, so dürfen sich diese gerne per Mail an mich wenden Naline42@googlemail.com.

Interview mit der alleinerziehenden Zwillingsmama Nina

Mein Elterninterview mit Zwillingsmama Nina

Als Zwillingsmama ist mein Familienalltag stark durchorganisiert und den Takt geben hier meine Kinder vor. Sie wollen gewickelt, gefüttert, geknuddelt und beschäftigt werden. Der Haushalt läuft dann oftmals nebenbei und die eigenen Bedürfnisse stehen weit hinten an. Als Mama hat man einen Fulltime-Mama-Job, aber spätestens wenn der Mann von der Arbeit nach Hause kommt, drückt man ihm gerne mal beide Kinder in die Arme. Zeit zum Durchatmen und etwas Zeit für sich selbst. Wie sieht allerdings so ein Familienalltag mit zwei kleinen Kindern aus, wenn man alleinerziehend ist? In einer Zwillingsmami WhatsApp habe ich Nina kennengelernt. Nina ist alleinerziehend und Mama von Zwillingen.

Liebe Nina, möchtest du dich und deine Kinder kurz einmal vorstellen? Wie alt bist du und wie alt sind deine Zwillinge?
Hallöchen, ich bin die Nina, 35 Jahre jung , und Mama von den Zwillingsmädchen Leonie und Fabienne. Am 07.01.18 sind die Beiden ein Jahr alt geworden. Wir wohnen in Neumarkt i. d. Opf, Bayern, in einem kleinen Häuschen.
Seit wann bist du alleinerziehend und wie darf ich mir deinen Alltag mit den Kleinen vorstellen? Ist der Papa noch da für seine Kinder und/oder hast du familiäre Unterstützung?
Ich bin seitdem die Beiden 4 Monate alt sind alleinerziehend. Zum Vater selbst gibt es bis heute keinen Kontakt. Er möchte diesen nicht, und ich werde den Kontakt auch nicht suchen. Familiäre Unterstützung habe ich nicht und habe das Glück auf diese auch nicht angewiesen zu sein, denn der Alltag mit den Zweien war von Anfang an entspannt. Bereits im Krankenhaus waren es liebe Kinder und wir durften bereits 14 Tage nach der Entbindung nach Hause. Hier angekommen ging es entspannt weiter. Leonie und Fabienne haben tagsüber und auch nachts viel geschlafen. Bis heute sind die Beiden pflegeleichte Kinder und mir fiel es daher leicht von Anfang an alles alleine zu machen bis heute.
Gab es eigentlich Momente oder auch längere Abschnitte als alleinerziehende Mama, in denen du dich einfach nur noch müde gefühlt hast? Tage, an denen du einfach nicht mehr konntest?
Also ich muss sagen bis jetzt gab es nie Tage wo ich hätte sagen können “ICH KANN NICHT MEHR”. Ich mache mir darüber aber auch keine Gedanken, sondern mach einfach, und Power hab ich zu 99,99999% immer. Die Beiden machen es mir aber auch leicht, denn sie schlafen zwischen 10-12 Stunden durch in der Nacht. Manchmal wollen sie ihren Schnuller oder Musik hören, aber dann wird weiter geschlafen.
Thema Auszeit. Gibt es so etwas für dich? Wie füllst du deine Energiereserven wieder auf?
Auszeit im eigentlichen Sinne gibt es bei mir nicht. Wo ich bin sind auch meine Kinder, 365 Tage im Jahr und das rund um die Uhr. Was mir allerdings gut tut, ist eine heiße Tee. Ein heißes Bad, wenn die Beiden schlafen, oder einfach ein langer Spaziergang mit den beiden Mäusen.
Was unterscheidet dich von einer alleinerziehenden Einlingsmama. Hat sie es einfacher?
Ich denke, dass sicherlich in den ersten Monaten eine Zwillingsmama voll ausgelastet ist. Später allerdings hat es meiner Meinung nach eine Einlingsmama schwieriger. Ihre ganze Energie muss sie einem Kind schenken, während meine Beiden miteinander spielen, was sie ja jetzt schon tun. Ich muss nicht außer Haus, damit sie jemanden haben – im Gegenteil sie werden sich immer haben und ob ich jetzt für ein Kind koche oder für zwei ist dann wirklich nebensächlich.
Findest du Nina, dass der Staat oder auch unsere Gesellschaft alleinerziehende Mamis genug unterstützt? 
Gute Frage. Ich bekomme ja derzeit noch Elterngeld und danach Landeserziehungsgeld. Hier habe ich wohl Glück, dass ich in Bayern lebe. Mal schauen, wie es danach weiter geht, aber ich denke, dass ich dann wieder ganz normal arbeiten gehen werde.
Liebe Nina, wie schwer ist es für dich wieder einen neuen Partner zu finden, wenn ich fragen darf. Bist du dazu überhaupt wieder bereit?  
Ehrlich gesagt genieße ich es gerade Single zu sein und ein neuer Mann an meiner Seite ist mir zur Zeit nicht wichtig. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man einen Partner an seiner Seite nicht sucht, sondern durch einen blöden Zufall findet :-).
Was würdest du anderen alleinerziehenden Mamis raten oder als Tipp mit auf den Weg geben? 
Als Alleinerziehende ist es wichtig, an sich zu glauben und positiv zu denken. So wie man es macht, ist es richtig. Man sollte nicht auf andere hören. Macht es so wie ihr es möchtet und für richtig haltet, und ihr schafft dann alles, auch wenn es manchmal schwer fällt. Kurz durchatmen und dann geht es weiter…geht es immer….Das ist ein kleiner Einblick in meinem Leben und meiner Einstellung zu diesem.
Danke Nina für das schöne Gespräch und den Austausch.